Freitag, 15. April 2016

Fröhliches Zusammentreffen in einer Flüchtlingsunterkunft

Wo man hinschaut, besonders auf diversen Nachrichtenseiten auf Facebook, die einfach die Pressemitteilungen der Polizei kopieren (ist das eigentlich Urheberrechtsverletzung?), bekommt man immer wieder Berichte nach folgendem Schema zu lesen: "Am Abend des Tag X kam es zu einer bewaffneten Auseinandersetzung in einer Flüchtlingsunterkunft in der Sonstwostraße."
Darunter dann die üblichen Kommentare von hirnlosen Menschen, die gegen Flüchtlinge hetzen, die Bundeskanzlerin beschimpfen etc. Vielleicht findet man zwischen hunderten solcher Kommentare einen von einem Menschen mit Zivilcourage, der sich traut, etwas dagegen zu sagen. Diese Personen werden dann ebenfalls. Angegriffen und wenn sie Glück haben, stellen sich ein paar wenige Andere auf ihre Seite. Es ist beängstigend, was sich da abspielt.

Ich denke, die Presse und alles was sich so nennt, schürt den Hass gegen Flüchtlinge mit solchen Mitteilungen mehr, als es nötig wäre. Ob das Absicht ist, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht verkaufen sich schlechte Nachrichten auch einfach besser als gute. Dennoch erlaube ich mir den Vorwurf, dass sie sich ihrer Verantwortung demgegenüber nicht genug bewusst ist.

Um besser aufzeigen zu können, was mir fehlt, habe ich selbst einen Bericht verfasst (der nicht erfunden ist!):

"Am Freitagabend kam es in einer Flüchtlingsunterkunft in Reutlingen zu einem fröhlichen Zusammentreffen zwischen syrischen und deutschen Menschen. Eine 26jährige Syrerin hatte zwei deutsche 21- und 24jährige Schwestern zu sich eingeladen, um den Abend gemeinsam zu verbringen. In der Küche trafen sich viele der Bewohner der Unterkunft. Es gab keinen Tisch, aber sämtliche Stühle wurden aus den Zimmern hergeschleppt und so wurde es eine lustige Runde mit Kaffee und Kuchen, angeregten Gesprächen auf Deutsch, Englisch und Arabisch und es wurde reichlich gelacht. Die Menschen brachten sich gegenseitig deutsche und arabische Wörter bei. Einige wollten sogar Hilfe bei ihren Hausaufgaben. Ein 28jähriger Familienvater erzählt: "Ich war in Syrien Anwalt. Ich muss unbedingt Deutsch lernen, damit ich studieren und meinen Beruf wieder ausüben kann." Ein anderer war, ebenso wie seine Frau, Englischlehrer. Sie alle freuen sich, dass sie schon Freundschaften mit Deutschen schließen konnten. Das sei so wichtig für die Integration und auch um die deutsche Sprache nicht nur schreiben, sondern auch sprechen zu lernen.
Die eine junge deutsche Frau fragt einen syrischen Mann, was er am Wochenende vorhat. "Ich stehe früh auf und gehe in die Bibliothek. Da ist es nicht so laut wie hier in der Unterkunft und ich kann in Ruhe Deutsch lernen. Am Abend komme ich dann wieder hierher zurück."
Die Syrerinnen stellten auch den Deutschen Fragen zu Ihrer Religiosität. Sie kennen sich mit dem Christentum bereits gut aus und möchten nun wissen, wie streng gläubig die beiden jungen Frauen sind. Der einen ist ihr Glaube sehr wichtig, bei der anderen ist er eher nebensächlich. "Das ist bei uns genau so", erklärt eine 22jährige Mutter aus Syrien, "manche glauben strenger und manche weniger streng. Ihr sehr ja auch hier, dass einige ein Kopftuch tragen und manche nicht. Jeder kann das selbst entscheiden und wir verstehen und gut." "Ich hatte in Syrien viele christliche Freunde. Wir haben zusammen Weihnachten und Ostern gefeiert und sie durften an unseren Festen teilhaben", erzählt eine andere junge Frau. Da sie über den Islam weniger wissen, als die Syrer über das Christentum, lassen sich die beiden Deutschen noch einige Fragen beantworten, um festzustellen, dass die Unterschiede zwischen den beiden Religionen gar nicht so groß sind, wie sie gedacht hatten.
Gegen null Uhr machten sich die beiden deutschen Frauen auf den Heimweg und die syrischen Familien blieben noch eine Weile wach. Mit Sicherheit werden solche Vorfälle in nächster Zeit öfter vorkommen."

Warum steht so etwas fast nie in der Zeitung?